Infos über Ladakh

Beobachtung 1
Im Sommer 2007 bringe ich meiner Gasthausfamilie eine Schachtel mit verschiedenen Pralinen mit. Die 5jährige Nilza schwebt mit ihren Fingern über den Pralinen, tippt hierhin, dorthin und plappert vor sich hin. Ich frage, ob sie sich nicht entscheiden kann, welche sie essen möchten. Nein nein, ist die Antwort, sie überlegt, welches die schönste ist, um sie dem Dalai-Lama-Altar zu geben.

Beobachtung 2
Im Winter 08/09 treffe ich einen 12jährigen Ladakh, der seine Schulferien in Ladakh verbringt. Er geht in eine Schule in Chandigarh, wo er mit seiner Großmutter und Schwester lebt. Er sinniert sehr viel über das Leben insbesondere in anderen Ländern nach. Die Schokolade aus Deutschland schmeckt so lecker. In Neuseeland gibt es gar keine giftigen Tiere. Wenn ich nach Amerika fliege würde, wäre ich über 20 Std. unterwegs!
Die 5 ärmsten Lander sind in Afrika. Ich frage ihn: Ist Ladakh eigentlich ein reiches oder ein armes Land? Es ist ein sich entwickelndes Land ist seine Antwort.

In Ladakh hat sich die Welt in den letzten 30 Jahren gehörig oft um die Achse gedreht. Zwar war Ladakh als wichtiger Schnittpunkt für Handelskarawanen über Jahrhunderte fremden Einflüssen ausgesetzt, jedoch haben diese außer beim Etablissement des tibetischen Buddhismus keine so weitreichenden Änderungen herbeigeführt wie die heutige wirtschaftliche Entwicklung durch Militär und Tourismus. Während früher der Handel auf Basis von Gütertausch vor sich ging, spielt Geld jetzt eine immer größere Rolle und verursacht starke Veränderungen in ökonomischer, ökologischer und sozialer Hinsicht. Die traditionellen Sicht- und Handelsweisen koexistieren momentan mit modernen Auffassungen. Einen kleinen Einblick bekommt jede/r Reisende automatisch und bemerkt sicherlichen den starken Einfluss des Tourismus.

Es ist momentan weder an der Zeit, die "guten alten Zeiten" (die auch nicht nur rosig waren) zu verklären noch die modernen Götter anzubeten, sondern sich in Gesprächen zu informieren, Fragen zu stellen und zu beobachten.

Ladakh hat ein sehr fragiles Ökosystem. In dieser Hochgebirgswüste sind die Menschen auf Schmelzwasser und Niederschlag zur Bewässerung der wenigen Felder und als Trinkwasser angewiesen. In den letzten Jahren wurden Umweltfragen immer dringender und man sieht der Zukunft mit Sorge entgegen. Insbesondere der Zuwachs von jährlich bis zu 70.000 Tourist/-innen (2008) ist für das Land schwer bewältigbar. Achten Sie darauf, dass Ihre Anwesenheit im ökologischen und ökonomischen Einklang mit Ladakh steht.

Eine (englischsprachige) .pdf zum Thema Umweltschutz für Tourist/-innen gibt es zum herunterladen hier.